Wer diese weiblichen Persönlichkeiten waren und welche nachhaltige Bedeutung sie für das Gemeindeleben hatten, dieser Frage sind die Mitarbeiterin der Gemeinde Stockelsdorf und ehrenamtlich im Archiv tätige Antje Hopp, die Buchhändlerin Juliane Hagenström und die Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich nachgegangen und haben recherchiert. Das Ergebnis sind fünf Banner und neue Zusatzschilder an den Straßen.
Bei der Recherche ist vor allem bei den vier Frauen, die in Stockelsdorf gelebt haben, deutlich geworden, wie stark sie sich über Jahrzehnte für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt haben. Gertrud Groth hat beispielsweise unter dem Einfluss ihrer Erfahrungen aus dem Krieg unter anderem die Arbeiterwohlfahrt gegründet und sich stark für die Jugendarbeit und die Gründung des ATSV eingesetzt. Ihr vielfältiges erfolgreiches Wirken wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt.
Elli Wigger und Erika Tyska, die beide aus Ostpreußen flüchten mussten, setzten sich mit großem Engagement unter anderem als Gemeindeschwestern beim Roten Kreuz Stockelsdorf ein und brachten in diesem Ämtern Fürsorge und Herzenswärme in die Gemeinde.
Durch die in Stockelsdorf ansässige Lübecker Marzipanfabrik von Minden und Bruhns GmbH & Co KG ist Else Jebsen bekannt geworden. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1960 stieg sie in die Geschäftsführung der Fabrik ein und war Mitbegründerin der Friedrich Bluhme & Else Jebsen Stiftung, die seitdem das soziale und kulturelle Leben weit über die Gemeindegrenzen hinaus unterstützt und viele Projekte ermöglicht. Ihr Wohn- und Kontorhaus wurde der Gemeinde vermacht und beherbergt seit nunmehr 50 Jahren die Bücherei, das Jugendzentrum, die Volkshochschule und bietet Raum für zahlreiche Stockelsdorfer Vereine und für Veranstaltungen.
„Karoline von Günderrode hingegen war keine Bürgerin der Gemeinde. Sie war eine sehr bekannte Dichterin der Romantik und eine Vordenkerin mit emanzipatorischen Gedanken, die jedoch während ihres kurzen Lebens im 18. Jahrhundert an den gesellschaftlichen Strukturen scheiterte“, so Buchhändlerin Juliane Hagenström, die über die Person hinter dem Straßennamen recherchiert hat.
„Diese Frauen verkörpern Engagement, Nächstenliebe und Beharrlichkeit und erfüllen durch ihre gelebten Werte eine Vorbildfunktion für uns alle. Wir möchten sie als Persönlichkeiten nicht vergessen und ihren Einsatz für die Einwohnerinnen und Einwohner würdigen“, so die ehrenamtliche Archivarin Antje Hopp. Dafür war die Benennung der Straßen der erste wichtige Schritt, und künftig kann man sich über ihre Aktivitäten für die Gemeinde Stockelsdorf informieren“, berichtet Antje Hopp.

„Wir haben zunächst die Banner erstellt und im Rahmen eines Gemeindefestes präsentiert. Damit man sich auch draußen im Vorbeigehen direkt an den Straßenschildern informieren kann, haben wir mit Unterstützung der Kollegen des Bauhofes Zusatzschilder angebracht und QR-Codes erstellen lassen, die zu den Bannern auf der Homepage der Gemeinde Stockelsdorf führen“, so Gudrun Dietrich.
Bürgermeisterin Julia Samtleben lädt Interessierte ein, sich die fünf Banner während der Öffnungszeiten im Rathaus anzusehen. Sie hängen bis zum 15. März 2026 im Durchgang zum Sitzungssaal.
Text: A. Hopp, G. Dietrich
