Wechsel der Schiedsperson für den Schiedsamtsbezirk Stockelsdorf

Helmut Tollning, Jahrgang 1951, lebt seit 1988 in Stockelsdorf. Bereits am 5. Juli 2006 bewarb er sich erstmals für das Ehrenamt der Schiedsperson. Nach seiner Wahl durch die Gemeindevertretung am 25. September 2006 wurde er am 26. Oktober 2006 durch den Präsidenten des Amtsgerichts Bad Schwartau vereidigt.

In den Jahren 2011, 2016 und 2021 wurde Tollning jeweils für weitere fünf Jahre wiedergewählt. Bis zu seinem Ausscheiden am 31. Juli 2026 war er damit nahezu zwei Jahrzehnte ununterbrochen als Schiedsperson tätig und gehörte damit sicherlich zu den dienstältesten Schiedspersonen in Schleswig-Holstein.

Während seiner Amtszeit bearbeitete Tollning insgesamt 84 Schlichtungsfälle. Dies entspricht durchschnittlich etwa vier Fällen pro Jahr. Einen Schwerpunkt bildeten dabei Nachbarschaftsstreitigkeiten, bei denen eine außergerichtliche und einvernehmliche Lösung besonders wertvoll sein kann. Der maximale Streitwert eines von ihm bearbeiteten Falls darf 750 Euro nicht übersteigen.

Rund zwei Drittel der Fälle konnten im Rahmen des Schlichtungsverfahrens friedlich und einvernehmlich gelöst werden. Ein erfolgreicher Schiedsspruch ist dabei für beide Parteien bindend und kann ihnen ein zeitaufwendiges und belastendes Gerichtsverfahren ersparen.

Auf die Frage, was er aus seinen fast 20 Jahren als Schiedsperson mitnimmt, nennt Helmut Tollning vor allem eine einfache, aber wichtige Erkenntnis: „Man sollte mit seinen Nachbarn gut umgehen.“ Wenn es Probleme gebe, sei es wichtig, miteinander zu reden und Konflikte möglichst früh anzusprechen, bevor sie sich verfestigten.

Für Tollning war das Ehrenamt trotz der manchmal schwierigen Situationen eine befriedigende Aufgabe. Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind ihm die Fälle, in denen es gelang, zerstrittene Parteien wieder miteinander ins Gespräch zu bringen. Wenn Menschen nach einem Konflikt wieder miteinander reden konnten, sei dies für ihn ein besonders erfreuliches Ergebnis seiner Arbeit gewesen.

Nicht jeder Konflikt ließ sich allerdings lösen. Tollning erinnert sich auch an Fälle, in denen die Fronten bereits zu verhärtet waren. Besonders schwierig seien Streitigkeiten gewesen, die sich teilweise über Generationen hingezogen hätten. Die Beteiligten seien derart zerstritten und wütend aufeinander gewesen, dass eine Verständigung im Schlichtungsverfahren nicht mehr möglich war. In solchen Fällen blieb letztlich nur der Weg über das Gericht – ob es dazu tatsächlich kam, konnte Tollning in der Regel nicht mehr nachvollziehen.

Seine Erfahrungen zeigen damit auch, wie wichtig es ist, Konflikte frühzeitig anzusprechen und das Gespräch miteinander zu suchen.

Die Gemeinde Stockelsdorf dankt Helmut Tollning ausdrücklich für sein langjähriges und engagiertes Wirken. „Mit seiner ruhigen und vermittelnden Art hat Herr Tollning über viele Jahre dazu beigetragen, Konflikte zwischen Bürgerinnen und Bürgern außergerichtlich zu lösen und damit ein wichtiges Ehrenamt in unserer Gemeinde ausgefüllt“, würdigt Bürgermeisterin Julia Samtleben seine Tätigkeit. Für seinen neuen Lebensabschnitt wünscht die Gemeinde Herrn Tollning und seiner Familie alles Gute.

Die Nachfolge hat Jörg-Peter Sobierey, Jahrgang 1963, übernommen. Der verheiratete Stockelsdorfer lebt seit 2008 in der Gemeinde. Auf die Ausschreibung des Ehrenamtes bewarb er sich am 17. März 2026.

Unter mehreren geeigneten Bewerbungen konnte Sobierey im Gesamteindruck überzeugen. Die Bürgermeisterin schlug ihn daher der Gemeindevertretung zur Wahl vor. Diese erfolgte am 4. Mai 2026. Am 31. Juli 2026 wurde Sobierey durch die Präsidentin des Amtsgerichts Lübeck vereidigt und ist seitdem amtierende Schiedsperson für den Schiedsamtsbezirk Stockelsdorf.

Für Sobierey bringt das neue Ehrenamt besondere Anforderungen mit sich. Verständnis, aktives Zuhören, Geduld und Einfühlungsvermögen seien aus seiner Sicht wichtige Eigenschaften einer guten Schiedsperson. Gerade bei festgefahrenen Konflikten komme es darauf an, beide Seiten ernst zu nehmen und ihnen ausreichend Raum zu geben, ihre Sichtweise darzustellen.

Bei der Verhandlungsführung sei deshalb Geduld besonders wichtig. Eine Schiedsperson müsse versuchen, die unterschiedlichen Interessen und Beweggründe der Beteiligten zu verstehen und zugleich den Blick auf eine mögliche gemeinsame Lösung zu richten. „Im Grunde sehe ich die Aufgabe ein Stück weit wie die eines Mediators“, beschreibt Sobierey seine Vorstellung von der Tätigkeit.

Dabei gehe es nicht darum, eine Partei als Gewinner und die andere als Verlierer aus dem Gespräch zu entlassen. Vielmehr müsse das Ziel sein, eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten leben können und im besten Fall wieder miteinander ins Gespräch kommen.

Mit dem Amt übernimmt Sobierey eine verantwortungsvolle ehrenamtliche Aufgabe. Schiedspersonen leisten einen wichtigen Beitrag zur außergerichtlichen Streitbeilegung und unterstützen Bürgerinnen und Bürger insbesondere dann, wenn Konflikte – etwa unter Nachbarn – nicht mehr aus eigener Kraft gelöst werden können.

Die Gemeinde Stockelsdorf bedankt sich bei Jörg-Peter Sobierey für die Bereitschaft, dieses Ehrenamt zu übernehmen, und wünscht ihm für seine neue Aufgabe viel Erfolg, Freude und ein gutes Gespür für die unterschiedlichen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger.

Mit dem Wechsel ist damit ein Generationenwechsel verbunden: Auf die langjährige Erfahrung und das fast 20-jährige Engagement von Helmut Tollning folgt nun der Start von Jörg-Peter Sobierey in eine neue ehrenamtliche Aufgabe im Dienste der Gemeinde Stockelsdorf.



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